Zurück
Theater + Text

Theaterverlage

von Ulrike Syha

Im deutschsprachigen Raum spielen die Theaterverlage und -agenturen bei der Entstehung, Vermittlung und Dokumentation von Theatertexten eine zentrale Rolle. Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Theatern? Wie die Zusammenarbeit mit den Autor:innen und Übersetzer:innen?

Ein Überblick über Strukturen und Arbeitsweisen.

Die Verlagslandschaft

Im deutschsprachigen Raum spielen Theaterverlage und -agenturen eine große Rolle. Die Mehrheit der professionell für Theater arbeitenden Autor:innen und Übersetzer:innen lässt ihre Werke durch einen Verlag vertreten; einige verhandeln aber auch direkt mit den Theatern und anderen Auftraggeber:innen.

Auch wenn manche Theaterverlage an große Verlage angebunden sind (z.B. S. Fischer Theater Medien, Rowohlt Theater Verlag oder Suhrkamp Theater Verlag), ist ihre Arbeit eher der einer Literaturagentur vergleichbar als der eines Buchverlages.

Theaterverlage – manchmal auch Bühnenverlage oder -vertriebe genannt – betreuen und vertreten Autor:innen, Bearbeiter:innen und Übersetzer:innen, mit denen sie einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen haben. Sie vermitteln deren Werke an Bühnen, freie Gruppen oder andere Veranstalter:innen. Dafür erhalten sie einen Anteil der erwirtschafteten Tantiemen. Eine Publikation der Texte in Buchform fällt nur in Ausnahmefällen in ihren Aufgabenbereich. 

Einzelne Verlage haben sich auf bestimmte Bereiche spezialisiert (z.B. Verlag für Kindertheater oder Schultz & Schirm – Bühnenverlag für Komödie) oder fokussieren bei Übersetzungen auf bestimmte Regionen.

Der VDB – die Interessenvertretung der Bühnen- und Medienverlage im deutschen Sprachraum – zählt derzeit 63 Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu seinen Mitgliedern.

Wie viele Urheber:innen von einem Verlag vertreten werden, variiert je nach Größe und Profil des Verlages.

Die Arbeit zwischen den Urheber:innen und den bei den Verlagen beschäftigten Lektor:innen gestaltet sich unterschiedlich eng. Im Normalfall beraten die Lektor:innen die Urheber:innen bereits in der Entstehungsphase des Textes, lektorieren diesen, stellen ggf. den Kontakt zu einem Theater her und übernehmen die entsprechenden vertraglichen Verhandlungen. Nach Fertigstellung des Textes kümmern sich die Verlage um die weitere Vermarktung. Sie bewerben den Text auf ihren Websites oder in ihren Magazinen. Dort informieren sich besonders die Dramaturgien der Theater, aber auch Regisseur:innen über die Stücke im Programm.

Die Verlage sichten außerdem Aufführungen der von ihnen vertretenen Werke und betreuen die Vermarktung etwaiger Nebenrechte. Das betrifft Film-, Funk- und Fernsehrechte und in der letzten Zeit zunehmend auch Rechte an der digitalen Verwertung, zum Beispiel bei Live-Streams oder Online-Projekten.

Die Verlage stehen in engem Austausch mit Theateragent:innen in anderen Ländern. Vergleichbare Theaterverlagsstrukturen gibt es außerhalb des deutschsprachigen Raumes allerdings nicht.

Früher wurden Theatertexte den Theatern als Manuskripte zur Verfügung gestellt, die später teilweise wieder an die Verlage zurückgesandt werden mussten. Heute bestellen interessierte Theaterschaffende Stücke und Übersetzungen als PDF-Dateien direkt bei den Verlagen oder über die vom VDB betriebene Website (theatertexte.de).

Einige Verlage veröffentlichen Stücke auch in Form von E-Books und als Buchreihen oder Anthologien; dies bleibt aber nach wie vor die Ausnahme.

Für ein Fachpublikum ist die Lektüre eines Theatertextes in elektronischer Form kostenlos. Um Zugang zu erhalten, muss man sich allerdings in der Regel bei den Verlagen akkreditieren. Erst im Falle einer Aufführung bzw. der konkreten Planung einer solchen werden Tantiemen fällig.

Es ist im ureigenen Interesse der Urheber:innen und Verlage, dass das Copyright an den Stücken gewahrt wird, das heißt, dass bei einer Aufführung auch tatsächlich Tantiemen fließen.

Ob dies der Fall ist, wird durch die ZBS überprüft, die Zentralstelle Bühne Service.

Die von den Theatern gezahlten Tantiemen gehen zunächst bei den Verlagen ein. Die Ausschüttung an die Urheber:innen wird unterschiedlich gehandhabt, manche Verlage rechnen monatlich ab, andere viertel- oder halbjährlich.

Die Höhe der jeweiligen Tantiemen ist in der Rahmenvereinbarung Bühne (RV Bühne) geregelt, gestaffelt nach Größe der Theater und nach einigen anderen Faktoren. Die prozentuelle Aufteilung zwischen Urheber:in und Verlag ist Verhandlungssache (die Autor:in eines Originalstoffs erhält hier aber grundsätzlich mehr als die Übersetzer:in / Bearbeiter:in oder der Verlag selbst).

Musterverträge werden aus Gründen des Kartellrechts von Seiten der Verlage nicht zur Verfügung gestellt.

Sowohl die Urheber:innen als auch die Verlage haben ein großes Interesse daran, dass Texte nicht nur einmal aufgeführt werden, sondern dass es weitere Inszenierungen gibt. Dadurch wird die Arbeit am Text häufig wirtschaftlich erst rentabel.

In den letzten Jahren sind aber zu den klassischen, textbasierten Theaterproduktionen eine Reihe anderer Projektformen hinzugekommen, die sich nicht alle gleichermaßen für ein Nachspiel eignen, zum Beispiel, weil sie sehr spezifisch auf einen Ort oder ein Ensemble zugeschnitten oder bewusst auf ein einmaliges Stattfinden hin konzipiert sind. Viele Projekte verzichten ganz auf einen literarischen Text als Ausgangsmaterial oder fixieren diesen erst im Laufe des Arbeitsprozesses.

Es gibt in der Zwischenzeit außerdem vermehrt Verlage, die auch Vertragsverhandlungen für Regisseur:innen oder freie Gruppen übernehmen, die oft selbst ihre eigenen Texte, Fassungen oder Adaptionen erstellen (z.B. schaefersphilippen und rua).

Normalerweise arbeiten Autor:innen und Verlage langfristig zusammen. Die Autor:innen sind meist vertraglich verpflichtet, dem Verlag ihr nächstes Werk exklusiv vorzulegen, bevor sie es anderen anbieten. In seltenen Fällen kommt es auch zu Verlagswechseln, sodass im Einzelfall ein:e Autor:in von mehreren Verlagen vertreten werden kann.

Für Übersetzer:innen hingegen ist es durchaus üblich, mit mehreren Verlagen im deutschsprachigen Raum zusammenzuarbeiten. Sie werden entweder von den Verlagen für einen bereits eingekauften fremdsprachigen Text angefragt oder schlagen den Verlagen selbst neue Texte und Autor:innen vor. Gutes Networking ist auch hier ein entscheidender Faktor für den Erfolg.

Verlage + Theater

Die Arbeits- und Kommunikationsweisen zwischen Verlagen und Theaterhäusern variieren stark. Sie können aus einem engen künstlerischen und inhaltlichen Austausch über aktuelle Theatertrends und Tendenzen bestehen,  aber auch nur rein vertragliche oder rechtliche Absprachen beinhalten. Das Wie und Warum einer Kontaktaufnahme kann aufgrund diverser Impulse zustandekommen: durch gezielte Werbung (Newsletter, Mails, Anrufe) der Verlage, durch Recherche auf Seiten der Dramaturgie oder aber durch andere Künstler:innen (Regie, Schauspiel), die eine Zusammenarbeit mit einem/einer Autor:in wünschen.

Für die weitere Kommunikation ist zwischen der Anfrage eines bereits bestehenden Stücks und dem Auftrag für ein noch zu entwickelndes Werk zu unterscheiden. Sollte ein bereits fertiggestelltes Stück für eine Inszenierung angefragt werden, besteht der weitere Austausch vor allem aus organisatorischen Abstimmungen (Zeitpunkt der Uraufführung, Erstaufführung oder Premiere, Kürzungen, Inszenierungskonzept, Team) und konditionalen Möglichkeiten (Uraufführungspauschale, Tantiemenregelungen). Hinsichtlich des Mitspracherechts bei Besetzungsfragen haben Autor:innen und Verlage oft nur beschränkte Möglichkeiten. Weitere Positionen wie Schauspiel, Bühne, Kostüm, werden nur in seltenen Fällen mit den Verlagen und Autor:innen kommuniziert.

Bei einem Werkauftrag ist der Verlag meist inhaltlich intensiver integriert und unterstützt den/die Autor:in bei der Textgenerierung und spricht bereits im Vorhinein mit der Dramaturgie über inhaltliche und künstlerische Ausrichtungen.

Innerhalb dieser Kontaktmöglichkeiten erfolgt die erste Verständigung über Inhalte meist mit der Dramaturgie oder Theaterleitung, während alle rechtlichen und monetären Parameter häufig mit Mitarbeiter:innen der Direktion und/oder Verwaltung besprochen werden.

Verlage + Übersetzung

Ähnlich unterschiedlich wie die Kontaktaufnahme zwischen Theatern und Verlagen kann die Zusammenarbeit zwischen Schreibenden, Übersetzenden und Verlagen entstehen.

Autor:innen und Übersetzer:innen können Manuskripte, Texte oder Übersetzungen digital an einen Verlag senden und eine Zusammenarbeit anfragen, häufiger werden jedoch Verlage über Wettbewerbe oder Festivals (z.B Autor:innentheatertage) und Empfehlungen durch Hochschulen, Dramaturg:innen und Theaterschaffende auf Nachwuchsautor:innen und Übersetzungen aufmerksam.

Das Entdecken fremdsprachiger Texte und Übersetzungen durch Verlage erfolgt vor allem durch internationale Festivals (Theater der Welt, Stückemarkt Berlin) oder Festivals, die von Theatern ausgerichtet werden (FIND-Festival, Wiesbaden Biennale, Heidelberger Stückemarkt, Primeurs Festival) durch Anregungen von Scouts im Ausland und Künstler:innen mit Länderbezug oder das Vorstellen eines fremdsprachigen Texts durch eine:n Übersetzer:in. Viele Verlage haben engen Kontakt zu Theaterschaffenden im Ausland (Scouts), die regelmäßig über aktuelle Tendenzen und Texte im Theater vor Ort informieren und Inhalte vermitteln.

Für die Kontaktaufnahme mit einem Verlag empfiehlt sich auf Übersetzer:innenseite eine kurze Zusammenfassung des zu übersetzenden Stücks und eine übersetzte Probeszene an den gewünschten Verlag zu senden. Englischsprachige Texte können meist auch ohne Zusammenfassung an einen Verlag gesendet werden, bei allen weiteren Sprachen lohnt sich die Nachfrage, ob diese von einem/einer Lektor:in im Verlag verstanden wird.

Sollte es auf dem einen oder anderen Weg zu einer Zusammenarbeit kommen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Übersetzung zu verwirklichen. In manchen Fällen zahlt der Verlag einen Vorschuss, der - sollte die Übersetzung als Inszenierung realisiert werden - häufig durch spätere Tantiemezahlungen wieder ausgeglichen wird. Ein anderer Weg ist die Finanzierung über ein Theater. Hier werden allerdings nur Übersetzungen vergütet, wenn der Ursprungstext bereits Teil der Spielplanplanung ist, aber noch keine Übersetzung ins Deutsche vorliegt.

Ohne Auftrag zu übersetzen empfiehlt sich weniger. Sollte man dennoch auf eigene Faust ein Stück übersetzen, muss man sich in jedem Fall beim Rechteinhaber (Autor:in) oder dem Rechtevertreter (Verlag/Agentur) das Einverständnis einholen und sollte sich um eine Förderung, zum Beispiel über den Deutschen Übersetzerfonds (DÜF), bemühen.

Suche