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Theater + Text

Einführung

von Ulrike Syha

Die deutschsprachige Gegenwartsdramatik zeichnet sich vor allem durch eines aus: ihre Vielfältigkeit. Nicht nur an den großen Theatern in den Metropolen, auch an vielen kleineren Häusern, in der Freien Szene und an den Privattheatern kommen jedes Jahr zahlreiche neue Stücke zur Uraufführung. Wettbewerbe und Festivals zeigen herausragende Arbeiten aus dem Bereich der Gegenwartsdramatik oder geben neuen Stimmen eine Plattform; die Theaterverlage erweitern stetig ihr Programm; für Schreibende gibt es eine Reihe von Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung und zur Vernetzung in Vereinen oder anderen Initiativen.

Auch das Spektrum der entstehenden Texte ist groß: vom sich (auch) als literarischen Text verstehenden Drama über Bearbeitungen, Überschreibungen und kollektive Stückentwicklungen hin zu experimentellen Arbeiten für den digitalen Raum. Der Begriff dessen, was unter Theater verstanden wird, erweitert sich stetig. Neue Themen und Stoffe kommen unaufhörlich dazu. Der zeitgenössische Theatertext ist so eng verknüpft mit den Strukturen, in denen er entsteht, wie kaum eine andere literarische Gattung.

Die besonderen Bedingungen des deutschsprachigen Theatersystems mit seinen Stadt- und Staatstheatern und seiner vielfältigen Freien Szene sowie die zahlreichen Theaterverlage und -agenturen spielen bei der Entwicklung und Vermarktung zeitgenössischer Theatertexte eine große Rolle. Wettbewerbe und Festivals wiederum setzen gezielt Akzente auf herausragende Arbeiten der Saison, den künstlerischen Nachwuchs oder besondere Themenschwerpunkte. Auch die analogen und digitalen Fachzeitschriften mit ihren Kritiken und Stückabdrucken sollte man im Blick behalten, denn im deutschsprachigen Raum erscheinen Theatertexte nur vereinzelt in Buchform.

Außerdem hat sich der Begriff von Autor:innenschaft in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich verändert. Inzwischen haben neue Texte vermehrt nicht nur eine Urheber:in, viele entstehen in enger Zusammenarbeit mit den Ensembles, der Regie oder in anderen kollektiven Schreibprozessen, während in einer Reihe von Vereinen und Initiativen wichtige Debatten angestoßen werden, die Gegenwart und Zukunft des Theatertextes thematisieren. Im deutschsprachigen Raum entstehen jedes Jahr so viele neue Theatertexte, dass man sie unmöglich in ihrem Facettenreichtum auf einer einzigen Website abbilden kann. Daher wollen wir bewusst nur Schlaglichter werfen.

„Schlaglicht Spielplan“ richtet den Blick auf die Spielpläne ausgewählter Theater unterschiedlicher Größe in unterschiedlichen Regionen. Was sind die Trends, was die Dauerbrenner? Mit welchen Themen beschäftigen sich zeitgenössische Theaterautor:innen im Moment?

„Schlaglicht Text“ geht näher auf Form und Inhalt aktueller deutschsprachiger Theatertexte ein, die bei ausgewählten Wettbewerben oder Festivals präsentiert werden oder im Rahmen von Formaten zur zeitgenössischen Dramatik entstehen.

In der Rubrik „Fundstücke“ laden wir Übersetzer:innen, Verleger:innen, Dramaturg:innen und Angehörige anderer Berufsgruppen regelmäßig dazu ein, etwas aus den – inzwischen vielleicht digitalen – Schubladen ihres Schreibtisches mit uns zu teilen: Welcher Text ist gerade neu eingetroffen? Welchen nimmt man immer wieder in die Hand? Wo lohnt vielleicht eine Wiederentdeckung?

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