LESERAUM x PRIMEURS
Veranstaltung am 4. November 2026
16.00 - 17.30 Uhr MESZ via ZOOM
Moderation: Corinna Popp
Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Vorbereitung ist nicht notwendig.
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In Kooperation mit dem Festival Primeurs – Festival für zeitgenössische Festival frankophone Gegenwartsdramatik / Saarländisches Staatstheater stellen wir im Vorfeld der 20. Ausgabe deutschsprachige Übersetzungen aus dem Französischen vor und kommen mit den Übersetzer*innen zu ihrer Arbeit ins Gespräch. Als Gäste im LESERAUM dabei sind Gerda Poschmann-Reichenau mit ihrer Übersetzung IN LUFT AUFGELÖST von Rébecca Déraspe sowie die Übersetzerinnen Pauline Fois und Sula Textor mit der Übersetzung Ix:variationen von Marcos Caramés-Blanco.
Corinna Popp moderiert diesen LESERAUM. Sie ist Literaturübersetzerin aus dem Französischen ins Deutsche, freie Dramaturgin und Kulturvermittlerin. Ihr besonderes Interesse gilt der Theaterübersetzung (als Textbuch, in Übertiteln und als Live-Übersetzung), der deutsch-französischen Zusammenarbeit sowie der theater- und übersetzungspädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Die 20. Ausgabe des Festival Primeurs findet vom 25.-28. November 2026 in Saarbrücken und Forbach (F) statt. Näheres zum Gesamtprogramm über www.festivalprimeurs.eu. Die beiden vorgestellten Stücke werden im Rahmen von szenischen Lesungen durch das Saarländische Staatstheater vorgestellt. Weitere ausrichtende Partner sind der Saarländische Rundfunk, das Institut d’Études franҫaises und das Le Carreau – Scène nationale de Forbach et de l’Est mosellan.
Rébecca Déraspe IN LUFT AUFGELÖST
Verschwinden. Alles hinter sich lassen. Ein Gedankenspiel wird für die junge Emma zur Obsession. Gleich eines Notausgangs steuert sie auf diese Lösung, diese Auf-Lösung, zu. Während sie Abschnitte ihres Lebens noch einmal durchlebt, versuchen ihre Tochter, ihre Eltern, ihr Lebensgefährte und der vielstimmige Chor der öffentlichen Gerüchte, ihre Abwesenheit einzuordnen. Rebecca Déraspe fängt diese atemlose Innenschau in rhythmisierter Sprache und bedingungslose Ehrlichkeit ein: Wo hatte Emma die Wahl in einer vermeintlich gleichberechtigten Gesellschaft? Was ist individueller Verlauf, was systemische Prägung?
Rébecca Déraspe ist Dramatikerin und Film- und Fernsehautorin. Sie studierte Szenisches Schreiben an der École Nationale de Théâtre du Canada. Ihre Theaterstücke werden weltweit produziert und veröffentlicht. Sie ist Hausautorin am Théâtre la Licorne in Montréal. Preise: 2023 – Michel-Tremblay Preis für TREIBEIS 2020 – Michel-Tremblay Preis für IN LUFT AUFGELÖST 2019 – CEAD Prix Louise-LaHaye für JE SUIS WILLIAM als bestes Jugendstück 2018 – AQT Québecer Kritikerpreis für JE SUIS WILLIAM als bestes Jugendstück 2017 – Québecer Kritikerpreis für KEIMZELLEN.
Gerda Poschmann-Reichenau studierte Theaterwissenschaft, Französisch und Kunstgeschichte in München und Paris. Sie promovierte 1996 an der LMU München mit einer Arbeit über zeitgenössische deutschsprachige und kam über die Schauspiel- und Verlagsdramaturgie zum literarischen Übersetzen. Seit über zwanzig Jahren überträgt sie Theatertexte ins Deutsche, vor allem aus dem Französischen (mit Schwerpunkt Québec), aber auch aus dem Englischen und Italienischen. Mit der Komödie NINO übersetzte sie 2015 das erste Stück von Rébecca Déraspe. Seither begleitet sie das Schaffen dieser Autorin kontinuierlich als Übersetzerin und hat mittlerweile sieben Stücke von ihr ins Deutsche übertragen. Darüber hinaus ist sie auch als Dramaturgin für Theater und zeitgenössischen Tanz in München und Salzburg, als Lektorin für Theaterverlage, in der Pressearbeit sowie an der LMU München als Lehrbeauftragte in den Studiengängen Literarisches Übersetzen und Theaterwissenschaft tätig.
Marcos Caramés-Blanco Ix:variationen
In einem kleinen Dorf kommt ein Kind namens Ix zur Welt, dessen Identität uneindeutig und im Wandel begriffen ist. Wie erlebt Ix diese offene Geschlechtlichkeit – mit der Familie, in der Institution Schule, mit sich? Oft tragisch, dann wieder zart oder brüllend irritierend treffen Erwartungen, Hoffnungen und Menschsein aufeinander. Variantenreich.
Gleich einem Pop-Album zeichnet diese Performance in 17 Fragmenten mit Playlist und radikal unterschiedlichen Ausdrucksformen das Leben dieser Figur nach. Mal Show, mal Therapie, mal Drag, löst sich der Text in der Gesamtheit von gängigen sozialen wie dramatischen Normen. Eine befreiende Enttabuisierung des Inter-Seins.
Marcos Caramés-Blanco, 1995 in den Pyrenäen als Kind spanischer Einwanderer in eine Arbei-terfamilie geboren, studierte Szenisches Schreiben an der École Nationale Supérieure des Arts et Techniques du Théâtre in Lyon. Für sein erstes Stück GLORIA GLORIA (2019) wurde er vielfach ausgezeichnet. Seitdem sind zahlreiche weitere Stücke entstanden, die bei unterschiedlichen Festivals und auf unterschiedlichen Bühnen inszeniert und mit zahlreichen Stipendien gefördert wurden. In der Spielzeit 2024−2025 war Marcos Caramés-Blanco assoziierter Autor u.a. am Théâtre de la Bastille, wo im Juni 2025 sein neues Stück IX:VARIATIONSals Solo unter seiner Regie und mit Sacha Starck auf der Bühne uraufgeführt wurde. 2026 ist er u.a. Gastdozent an der Théâtre National de Strasbourg sowie an der École Nationale Supérieure des Arts et Techniques du Théâtre, Lyon.
Pauline Fois wurde 1994 in Toulouse geboren und begann dort ihr Germanistikstudium, das sie in Dresden zu Ende führte. Seit 2019 übersetzt sie Prosa und Theater aus dem Deutschen ins Französische. Sie hat Texte von Caren Jeß und Anna Albinus übertragen. Gemeinsam mit Sula Textor übersetzt sie außerdem Theaterstücke von dem französischen Autor Marcos Caramés-Blanco ins Deutsche. Pauline Fois lebt in Leipzig.
Sula Textor ist nahe der französischen Grenze geboren und aufgewachsen und hat in Heidelberg, Paris und Potsdam Englische Philologie, Europäische Kunstgeschichte und Vergleichende Literatur- und Kunstwissenschaft studiert. Sie war in der literatur- und kulturwissenschaftlichen Forschung und Lehre sowie im Ausstellungs- und Veranstaltungsbereich tätig. Inzwischen lebt sie als freie Übersetzerin in Berlin. Sie übersetzt Prosa, Essay, Lyrik und Theatertexte aus dem Französischen und Englischen. 2022 war sie Stipendiatin beim Georges-Arthur-Goldschmidt-Programm. 2024 erhielt sie gemeinsam mit Pauline Fois den Übersetzungspreis beim Festival Primeurs in Saarbrücken für die Übersetzung von Marcos Caramés-Blancos Stück GLORIA GLORIA.