LESERAUM mit Ivana Sokola
Veranstaltung am 2. Dezember 2026
16.00 - 17.30 Uhr MEZ via ZOOM
Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Vorbereitung ist nicht notwendig.
Hier geht es zur Anmeldung.
Am 2. Dezember ist Ivana Sokola zu Gast und wir lesen Auszüge aus WIR PERSER und BALKANDRIFT.
Ivana Sokola, geboren 1995 in Hamburg, studierte Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. 2020 war sie eingeladen zum Festival 4+1 - Ein Treffen junger AutorInnen am Schauspiel Leipzig. 2021 wurde sie für ihr Stück "Kill Baby" mit dem Kleist-Förderpreis für junge Dramatikerinnen und Dramatiker ausgezeichnet. Zuvor gewann sie mit "Kill Baby" bereits den Sonderpreis des Deutschen Kinder- und Jugendtheaterpreises. Für ihr Nachfolgestück "Pirsch" wurde sie mit dem Autor:innenpreis des Heidelberger Stückemarkts 2022 ausgezeichnet. Mit Jona Spreter bildet sie das Autor*innenduo Sokola//Spreter. (Quelle: Verlag Felix Bloch Erben)
WIR PERSER
Was bleibt von einer Gesellschaft, wenn ihre vertrauten Gewissheiten zerbrechen? In ihrer Überschreibung von Aischylos’ antiker Tragödie „Die Perser“ richtet Ivana Sokola den Blick auf die Daheimgebliebenen und lässt zahlreiche Boten mit widersprüchlichen Berichten vom Untergang des Heeres auftreten. Während Atossa die Abwesenheit ihres Sohnes Xerxes zur Neuordnung der Gesellschaft nutzt, geraten Wahrheit, Macht und Erinnerung ins Wanken. So wird aus der antiken Tragödie eine gegenwärtige Auseinandersetzung mit Krieg, Erzählmacht und gesellschaftlicher Zukunft.
BOTE 1 OH MAN
CHOR Ihm mangelt es an Fitness
Hoffentlich nicht an Worten.
BOTE 1 Lasst mich kurz –
CHOR Früher war da mehr „Weh mir“
Ein Auftritt
Einem Erlösungsboten gleich
Vielleicht sogar mit Pferd.
Eine gewisse Aura
Wir zitterten.
ATOSSA Sie machten sich groß Aktivierten das Zwerchfell
Voller Spannung und Würde.
Wo ist das hin, Bote?
Sprich schon.
CHOR Sag was.
ATOSSA Was betrifft uns?
CHOR Wie geht es ihnen?
ATOSSA Wo sind sie?
CHOR Was hast du gesehen?
BOTE 1 Wasser.
(Auszug aus WIR PERSER)
Uraufführung: 25.10.2025, Deutsches Theater Göttingen
BALKANDRIFT
Manchmal ist die Heimat nur noch eine Erinnerung – und die Rückkehr ein Zumutung. Die Schwestern Minka und Magda leben im abgehängten Osten Europas, bis ihr Cousin mit der Leiche ihres verstorbenen Onkels auftaucht. Dieser hat sein Leben im reichen Norden verbracht, möchte aber in der alten Heimat begraben werden. Während Magda für Versöhnung plädiert, verweigert Minka dem Toten die Heimkehr. Mit der Leiche im Gepäck brechen die Schwestern zu einer surrealen Reise auf. Ivana Sokola erzählt von Migration, Herkunft und Zugehörigkeit und entwirft zwischen den Trümmern Europas die Vision einer neuen Zukunft.
Wir sind die Letzten:
Ende einer Kette trüber Perlen
Liegengelassen, bald nur noch Staub.
Wären wir jünger, wären wir die Zukunft.
So aber dümpeln wir
Im unentschiedensten Zeitalter
Östlich von Eden.
Nutzlos und weiblich
Gelangweilt und kleinlich.
Wir haben nichts erwartet
Wir haben nichts zu erwarten
Von uns kann man nichts erwarten.
Ein Ende?
Einen Anfang.
Werfen wir einen Blick -
Einen kleinen nur
Durch unsere Kristallkugel oder was.
Zwillingshafte Vorahnung:
Wann dein Paket ankommt
Wie lang es bis zur Rente ist
Oder meinetwegen die Vision eines Weltendes oder -anfangs.
(Auszug aus BALKANDRIFT)
Uraufführung: 27.09.2024, Schauspiel Köln.
Die Rechte für die Texte liege beim Verlag Felix Bloch Erben.