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Theater + Transfer

Barrierefreiheit

Der Abbau von Barrieren ist ein Schlüssel

zur ‚Enthinderung‘ der Gesellschaft.

Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ist in Deutschland seit 2009 geltendes Recht. Sie betrachtet Behinderung als Ergebnis unterschiedlicher Faktoren, die für Menschen mit Beeinträchtigungen Barrieren errichten. Die Staaten verpflichten sich zum schrittweisen Barriereabbau, um so die Teilhabe von allen Menschen am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. In Film und Fernsehen hat sich seitdem viel bewegt, im Theater dagegen noch sehr wenig. Hier sind die Barrieren für taube, schwerhörige, blinde, sehbeeinträchtigte und andere Menschen mit besonderen Bedürfnissen noch sehr hoch. Audiodeskription, Gebärdendolmetschen, zugängliche Webseiten, einfache Sprache etc. sind Möglichkeiten der Übertragung und sollten unbedingt und schnellstmöglich als gängige Mittel am Theater eingesetzt werden.

Denn so heißt es in der UN-Konvention: „Der Abbau von Barrieren  ist ein Schlüssel zur „Enthinderung“ der Gesellschaft.“ Wer behindert wird, kann nicht ins Theater gehen, auch wenn er gerne möchte. Dies zu ändern ist die Aufgabe aller Theaterschaffenden, die es gemeinsam zu lösen gilt, inklusiv, nicht paternalistisch, sondern gemeinsam mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen auf der Bühne, in den KBBs und an den entscheidenden Stellen. Denn nur so kann wirkliche Teilhabe gewährleistet werden.

In leichter Sprache

von Anne Leichtfuß

Welche Optionen gibt es, einer größeren Personengruppe Zugang zu Inszenierungen und Performances zu ermöglichen?

Was ist Leichte Sprache?

Leichte Sprache richtet sich an eine große Zielgruppe. Etwa zehn Millionen Menschen in Deutschland brauchen eine vereinfachte Form der deutschen Sprache, um sich Inhalte gut erschließen zu können. Trotzdem gibt es bisher nur sehr wenig Angebote in Leichter Sprache innerhalb des Theaterbereichs.

Leichte Sprache vereinfacht nicht den Inhalt eines Textes oder gesprochener Sprache, sondern verändert nur die Form, um eine Zugänglichkeit für eine größere Personengruppe zu ermöglichen. So sind die Sätze kurz, etwa fünf bis acht Wörter pro Satz. Jeder Satz enthält nur eine Information. Fremdwörter oder Fachbegriffe werden durch leichtere Begriffe ersetzt oder erklärt und Beispiele herangezogen, um komplexere Inhalte leichter verständlich zu machen. Leichte Sprache folgt einem festen Regelwerk, das in Deutschland seit 2009 existiert und vom Verein Mensch zuerst (früher People first) entwickelt wurde. Zur Zielgruppe gehören unter anderem Menschen mit anderen Lernmöglichkeiten, mit Demenz, mit geringen Lesefähigkeiten, mit Lern- und Leseschwierigkeiten und Menschen mit geringen Deutschkenntnissen.
Wichtig ist: Leichte Sprache funktioniert immer nur im Dialog mit der Zielgruppe. Jede Übersetzung wird von mindestens zwei Personen aus der Zielgruppe auf Verständlichkeit geprüft. Wurden alle Begriffe verständlich erklärt? Kann die Person nach dem Lesen des Textes die Inhalte in eigenen Worten zusammenfassen? Wenn nicht, wird der Text entsprechend der Korrekturen der Prüfer:innen geändert. Erst dann erhält ein Text das Siegel Leichte Sprache.

Welche Möglichkeiten bietet Leichte Sprache am Theater? An deutschsprachigen Theatern wurden hier in den letzten Jahren verschiedene Formate erprobt, um den Zugang für Zielgruppen zu öffnen, die sich aufgrund der Verständnis- oder anderer Barrieren nicht angesprochen fühlten.

Übersetzungen von Programm und Infos zur Erreichbarkeit

Die Sprache, in der über Theater gesprochen wird, ist oft eine sehr akademische, die vielen Menschen, nicht nur aus der Zielgruppe der Leichten Sprache, den Zugang verwehrt. Viele Begrifflichkeiten werden als bekannt vorausgesetzt und man muss Vorwissen haben, um entsprechende Texte verstehen zu können. Diese Hürde wird gesenkt, wenn Programmtexte in Leichte Sprache übertragen werden. Neben der Übersetzung des Inhalts ist außerdem wichtig, den Zugang zum Theater ganz konkret zu erleichtern. Das heißt, Leichte Sprache muss in sämtlichen Bereichen des Theaters auftauchen: Wie und wo kann ich ein Ticket kaufen? Kann ich als Mensch mit einem Behindertenausweis eine Begleitperson mitnehmen? Was kosten die Tickets? Und: Gibt es ermäßigte Eintrittspreise für Menschen mit Behinderung? Alles das führt dazu, dass viele Menschen selbständig Zugang haben und entscheiden können: Interessiert mich das Stück und traue ich mir zu, mir diesen Raum zu erschließen?

Simultan-Verdolmetschung von Theaterstücken

Neben der Übertragung von Programmtexten und Serviceinformationen in Leichte Sprache gibt es die Möglichkeit, Stücke simultan in Leichte Sprache zu dolmetschen. Das passiert bisher nur selten und eher in der freien Szene als in großen Häusern. Funktechnik dafür kann bei Firmen für Konferenztechnik geliehen werden. Dabei ist wichtig: Die Übersetzung in Leichte Sprache muss in Absprache mit den Macher:innen des Stückes entwickelt werden, sodass nicht nur mehr Verständlichkeit das Ergebnis ist, sondern  Charakter und Form des Stückes auch in der zugänglicheren Form erhalten bleiben. So kann eine neue und eigenständige Version entwickelt werden.
Die Zuschauer:innen können sich beim Einlass entscheiden, ob sie Kopfhörer und Empfänger für Leichte Sprache mitnehmen möchten oder nicht. So kann auch für Menschen, die nicht aus der Zielgruppe der Leichten Sprache kommen, ein Mehrwert geschaffen werden, da sie zwischen beiden Versionen switchen können und so auch, unabhängig von einem eigenen Bedarf, erste Berührungspunkte von Leichter Sprache im Bereich der Kunst und Kultur entstehen.

Leichte Sprache auf der Bühne

Aber nicht nur eine Verdolmetschung ist eine Möglichkeit, Leichte Sprache auf die Bühne zu bringen, Stücke können auch direkt in Leichter Sprache inszeniert werden. Einige Klassiker existieren schon in einer Übersetzung in Leichte oder Einfache Sprache, aber einzelne Ensembles entwickeln auch eigene Inszenierungen in Leichter Sprache. Auch gibt es Stücke, in denen Formen der Barrierefreiheit spielerisch in die Inszenierung eingebunden werden. So kann etwa die Erzählspur zwischen gesprochener Sprache, Gebärde, Übertiteln und Leichter Sprache wechseln und  alle Zuschauer:innen teilen somit die Erfahrung des Verstehens und Nichtverstehens.

Early Access und Einführungsgespräche in Leichter Sprache

Eine andere Möglichkeit, Stücke in der ursprünglichen Sprachform zugänglicher zu gestalten, bietet eine veränderte Einlasssituation. Ein early access mit Unterstützung bei der Orientierung im Theater ist für viele Menschen angenehm, nicht nur für die Zielgruppe der Leichten Sprache. Das kann verbunden werden mit einer Einführung des Stückes (und der Inszenierung?) in Leichter Sprache. Worum geht es? Wie gehören die Personen auf der Bühne zueinander? In welchem Setting und in welcher Zeit spielt das Stück? Das alles kann in einem Einführungsvortrag erläutert werden und kann helfen, das Geschehen auf der Bühne besser einordnen zu können.
Theater beinhaltet die Option, dass verschiedene Zuschauer:innen verschiedene Perspektiven auf das Bühnengeschehen haben. Personen aus der Zielgruppe der Leichten Sprache erleben in ihrem Alltag aber häufig Situationen, die sie nicht oder nur in Teilen verstehen. Daher ist ihnen oft wichtig, Sachen richtig zu verstehen und zu interpretieren. Dass individuelle Sichtweisen möglich und sogar erwünscht sind, sollte daher aktiv ausgesprochen werden. So fühlen Personen aus der Zielgruppe sich sicherer damit, eigene Zugänge zuzulassen und das Stück individuell zu erleben und zu interpretieren.

Leichte Sprache in Ausschreibungen und in den Probenprozessen

Verschiedene inklusive Ensembles haben sich mit der Frage beschäftigt: Wie muss Theater sich verändern, damit Menschen mit anderen Lernmöglichkeiten nicht nur als Schauspieler:innen auf der Bühne, sondern auch selbst als Regisseur:innen agieren? Auch hier ist die Leichte Sprache eine wichtige Möglichkeit, um neue Zugänge zu schaffen. Ausschreibungen in Leichter Sprache bieten die Möglichkeit, dass mehr Menschen sich angesprochen fühlen und sich zutrauen, Teil eines Projektes zu sein. Und auch bei der Entwicklung eines Stückes und in den Probenprozessen stellt Leichte Sprache sicher, dass alle teilhaben und eigene Ideen einbringen können. Das Theater Hora in Zürich hat in einem dreijährigen, von Wissenschaftler:innen begleiteten und ausgewerteten Prozess mit Leichter Sprache in Ausschreibungen, Zugangsinformationen und innerhalb der Proben gearbeitet und allen Mitarbeitenden die Möglichkeit eröffnet, eigene Erfahrungen im Inszenieren eigener Inhalte zu sammeln. So wird nicht nur in der Rezeption von Theater, sondern auch in den Perspektiven auf der Bühne Diversität sicht-und erlebbar.

Neue Verteiler und Multiplikator:innen aktiv ansprechen

Wenn ein Theater Angebote in Leichter Sprache schafft, dann muss die Zielgruppe auch davon erfahren. Dafür ist es wichtig, auch neue Verteiler und Multiplikator:innen anzusprechen und über neue Angebote zu informieren. Das kann über regionale Vereine und Gruppen passieren, aber auch über Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderung im Sozialraum des Theaters oder über Leichte-Sprache-Netzwerke und -Verteiler.

Was kann durch diese und andere Maßnahmen erreicht werden?

Die Zahl der Theaterbesucher:innen ist rückläufig. Darum müssen sich Theatermacher:innen fragen: Wer kommt bisher nicht ins Theater? Und warum nicht? Wie kann ich neue Zielgruppen fürs Theater gewinnen? Etwa Menschen mit anderen Lernmöglichkeiten, Menschen mit anderem Bildungshintergrund oder Menschen mit geringen Deutschkenntnissen. Leichte Sprache kann dazu eine gute Möglichkeit sein. 

 

Anne Leichtfuß

Anne Leichtfuß ist Dolmetscherin für leichte Sprache. Sie ist Mitgründerin und Webmasterin des partizipativen Forschungs-Projektes TOUCHDOWN 21 und arbeitet als Dozentin an der TH Köln für den Weiterbildungsgang Prozessplaner*in Inklusion.

Barrierefreie Webseiten

von Lavinia Knop-Walling

Wie kommen blinde und sehbehinderte Menschen eigentlich ins Theater? Zunächst müssen sie wie alle anderen ein Theaterstück finden und Tickets reservieren. Leider erweisen sich diese Schritte oft als Herausforderung. Auf vielen Theater-Webseiten ist die gewünschte Vorstellung durch unübersichtliche Angebote, komplizierte Wege bis zum richtigen Link und mangelnde Kommunikation nicht auffindbar. Im Rahmen des Projekts „Berliner Spielplan Audiodeskription“ von Förderband e.V.  teste ich immer wieder die Webseiten von Theatern, Ticket-Plattformen und Kultur-Webseiten auf ihre Bedienbarkeit für Menschen mit Seheinschränkung. Das Projekt hat es sich zum Ziel gesetzt, ein regelmäßiges barrierefreies Angebot für Blinde und Sehbehinderte an Berliner Theatern zu schaffen. Eine wichtige Grundlage dafür ist eine barrierefreie Webseite.

Blinde können Computer

Viele blinde und sehbehinderte Menschen bedienen den Computer mithilfe eines sogenannten Screenreaders. Ein Screenreader ist ein Hilfsprogramm für blinde und sehbehinderte Menschen, das die Inhalte einer Webseite oder sonstiger digitaler Elemente als Sprache und in Punktschrift wiedergibt. Auf Webseiten kann man beispielsweise mithilfe von Tasten bestimmte Elemente anspringen – „H“ für die nächste Überschrift, „B“ für den nächsten Button oder Schalter, „G“ für die nächste Grafik und so weiter. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass diese Elemente auch als solche markiert wurden und ein Schalter beispielsweise nicht als Link oder Grafik angezeigt wird. Ansonsten können sich die Nutzer:innen auch mit den Pfeiltasten Zeile für Zeile durch eine Webseite schlängeln. Das ist häufig die einzige Möglichkeit, um sich eine Webseite als blinde Person anzueignen. Wenn dann aber so kryptische Dinge wie „Image Map Link Spielplan Image Map Link Spielplan Image“ zu lesen sind, kann es schon mal eine Stunde dauern, bis man das findet, wonach man ursprünglich gesucht hat.

Hindernisse auf Theater-Webseiten

Die meisten Hindernisse auf einer Webseite entstehen durch Unübersichtlichkeit und falsch programmierte Elemente. Leider steht die visuelle Attraktivität einer Webseite allzu oft vor der Bedienbarkeit. Es gibt Überschriften, die wie Überschriften aussehen mögen, in Wahrheit aber reiner Text sind. Es gibt Schalter, die als Grafiken gestaltet sind und keinen Alternativtext haben, so dass ich nur „Grafik“ lese. Es gibt Links, die nicht benannt wurden, so dass ich nicht weiß, wohin sie führen. Oft sind es Kleinigkeiten, die dafür sorgen, dass ich mich auf einer Seite nicht zurechtfinde. Je aufwendiger die Seiten visuell gestaltet sind, desto schlechter sind sie in der Regel für mich bedienbar. Wenn Elemente wie Bilder, Links, Schalter und Überschriften zum einen nicht als solche markiert und zum anderen nicht eindeutig benannt werden, kann ich nicht wissen, worum es auf der Seite eigentlich geht. Für Unübersichtlichkeit sorgt außerdem die Anordnung der Elemente auf der Seite. Mehrmals habe ich auf Theater-Webseiten wichtige Inhalte über und unter der Überschrift zum Stück gefunden. Normalerweise erwarte ich, dass wichtige Infos zum Stück unter einer Überschrift zusammengefasst werden – Inhalt, Uhrzeit, Ort, Preise, Ticketreservierung usw. Wenn ich mit „H“ zur nächsten Überschrift springe und dann eher zufällig Text zu dem Stück an anderer Stelle finde, bin ich verwirrt. Im schlimmsten Fall frage ich mich, ob die Info überhaupt zu dieser Veranstaltung oder zur vorherigen gehört. Hinzu kommen Navigationsmenüs, die derart verschachtelt sind, dass ich nach ein paar Mal Seitenwechsel nicht mehr weiß, wo ich bin und wo ich herkam. Generell sind viele Webseiten derart mit Inhalten vollgestopft, dass ich relevante Inhalte lieber über Suchmaschinen suche, als auf der entsprechenden Webseite danach zu fahnden.

Hindernisse auf Ticket-Portalen

In Zeiten der Online-Ticketbestellung kommt keine Theaterseite ohne ein Ticket-Portal aus. Plattformen wie „Dringeblieben“ und „Reservix“ werden u.a. von Theatern benutzt. Für die Screenreader-Nutzer:innen bedeutet die Navigation durch Ticket-Portale eine weitere Zeitinvestition über die Theater-Webseite hinaus. Auch hier werden sie mit unübersichtlich gestalteten Inhalten konfrontiert:

  • Mehrere Überschriften, die vor der gewünschten Veranstaltung stehen,
  • Ausklapplisten, die ich mit dem Screenreader nicht aktivieren und somit auch keine Ticket-Anzahl wählen kann,
  • Formulare ohne beschriftete Eingabefelder, so dass ich nicht weiß, was ich gerade ausfülle,
  • interaktive Grafiken zur Sitzplatzauswahl, die mir nicht einmal angezeigt werden,
  • und letztlich die Unmöglichkeit, eine ermäßigte Karte für mich und für meine Begleitperson zu reservieren.

An all diesen Stellen kann ich nach einem Zeitaufwand von einer Stunde scheitern. Ticket-Hotlines, die ich nach langem Suchen doch noch auf der Seite finde, lassen mich entweder eine weitere halbe bis dreiviertel Stunde warten oder legen wegen mangelnder Kapazitäten gleich auf. So endet der Ticketkauf in Frustration statt kultureller Teilhabe.

Die Webseite umgestalten

Eine Webseite barrierefrei zu gestalten bedeutet zu entrümpeln. Zuerst sollten sich die Webseiten auf die wichtigsten Inhalte beschränken, klare Titel für Überschriften, Menüpunkte, Grafiken, Links, Schalter usw. festlegen und verschachtelte Navigationsmenüs vermeiden. Das dient nicht nur der Navigation des blinden und sehbehinderten Publikums. Es verbessert die Bedienbarkeit der Seite im Allgemeinen. Je logischer und schlichter eine Seite aufgebaut ist, umso schneller finde ich, was ich suche. So gehört der Text zu einer Überschrift unter diese Überschrift, egal wie gut er darüber oder daneben aussehen mag. Elemente wie Links, Überschriften, Grafiken, Schalter, Formulare und Ausklapplisten müssen als solche markiert sein und nicht nur visuell ansprechend aussehen, weil ich sie ansonsten nicht finde. Eine Brotkrumennavigation, die angibt, wo man zuletzt war und wo man gerade ist, hilft bei der Orientierung. Wenn ein Theater bereits barrierefreie Angebote wie Audiodeskription, Gebärdenverdolmetschung und rollstuhlgerechte Zugänge anbietet, kann das auf einer Extraseite angekündigt werden. Diese Seite sollte leicht auffindbar und nicht irgendwo im Footer versteckt sein. Ich habe schon auf Theater-Webseiten erfolglos nach dem Wort „Audiodeskription“ gesucht. Letztlich musste ich die gewünschte Seite über Google suchen, bis ich sie endlich gefunden habe.

Barrierefreie Angebote auf einer Seite

Weil es lange dauert, bis eine bislang nicht barrierefreie Webseite umgestaltet ist, haben sich der Berliner Spielplan Audiodeskription und seine kooperierenden Theater dafür entschieden, eine Seite mit barrierefreien Inhalten auf jeder der Theaterseiten zu erstellen. Zudem sammeln wir alle Berliner Theaterangebote mit Audiodeskription im Spielplan unter www.theaterhoeren-berlin.de/spielplan.

Die wichtigste Aufgabe einer solchen Seite besteht darin, auf kommende Vorstellungen mit Audiodeskription hinzuweisen. Weil Formulare zur Reservierung oft nicht barrierefrei gestaltet sind, wird eine E-Mail und Telefonnummer bereitgestellt, über die die Nutzer:innen Tickets bestellen können, ohne an Formularen, Sitzplatzwahl und der Buchung ermäßigter Tickets zu scheitern. Hier haben sie auch die Möglichkeit, den Ticketpreis direkt zu überweisen. Obwohl einige blinde Menschen Bezahlvorgänge wie PayPal und Kreditkarten nutzen, gibt es Späterblindete, für die Überweisungen am einfachsten sind. Statt fünfmal die Seite zu wechseln, findet sich alles auf einer Seite und es braucht vielleicht nur fünfzehn Minuten, um ein Ticket zu bestellen.

Barrierefreiheit = zwischenmenschliche Kommunikation

Barrierefreiheit bedeutet schnelle, einfache und besonders zwischenmenschliche Kommunikation. Es gibt blinde und sehbehinderte Menschen mit unterschiedlichen Kenntnissen und Voraussetzungen. Einige sind bereit, Zeit zu investieren, um ein Theaterstück zu finden. Anderen fällt das deutlich schwerer. Das kann an mangelnder Technikaffinität liegen oder auch an Zeitmangel. Ich selbst habe einmal nach mehreren Tagen Internetsuche, Hotline-Telefoniererei und mehreren E-Mails ein Konzert nicht besuchen können, zu dem ich gerne gegangen wäre. Natürlich hätte ich einen Sehenden in meiner Umgebung fragen können. Was aber, wenn es eine Überraschung sein soll, man gerade keinen zur Hand hat oder einfach selbstständig ein Ticket buchen möchte? Barrierefreiheit bedeutet, selbstbestimmt leben zu können. Ein barrierefreies Theaterangebot ohne barrierefreie Webseiten macht den beträchtlichen Aufwand einer Audiodeskription oder Gebärdenverdolmetschung leider überflüssig.

 

Lavinia Knop-Walling

Die Arbeitsschwerpunkte von Lavinia Knop-Walling liegen in den Bereichen Audiodeskription, Inklusion, Sensibilisierung, Erfahrung von Blindheit und inklusives Geschichtenerzählen. Zurzeit arbeitet sie freiberuflich für inklusive Kulturprojekte wie dem „Berliner Spielplan Audiodeskription“ von Förderband e.V. und „Find your voice“ von Kulturregen Berlin gUG.  

 

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